Posts by Frau Mirtana

    Das mag vielleicht für mobile Blitzer gelten. Nicht aber für feste Blitzanlagen. Wie ist es sonst zu erklären, dass in Hessen gefühlt jedes zweite Dorf mindestens eine Anlage hat. Da wird schon einiges im Dorfsäckel und bei den Blitzerherstellern hängen bleiben.

    Das gilt genauso für stationäre Blitzer. Die sind zwar billiger in der Anschaffung und Aufbau, kosten aber mehr in der Wartung, im Unterhalt und vor allem in punkto Reparatur durch Vandalismus. So ein stationärer, moderner Blitzerturm kostet um die 80 bis 100tausend Euro in der Anschaffung. Und Einnahmen durch Verkehrsverstöße sind volatile Einnahmen, die kannst Du lediglich als Prognose mit in einen Haushalt aufnehmen.

    Vermutlich stehen in ländlichen Gebieten (das ist nicht nur in Hessen so, da gibt es auch andere Regionen mit ziemlich hoher Blitzerdichte) an den Ortsdurchfahrten in gefühlt jedem zweiten Dorf Blitzer, um in erster Linie zu verhindern, daß dort einfach stumpf mit 70, 80 ins Dorf gerauscht wird. Glaubt jemand ernsthaft, da säßen nur Menschen mit Eurozeichen in den Gremien, die darüber beraten und entscheiden, wenn es um die Anschaffung von Blitzanlagen geht? Nope. Da wird vermutlich nicht nur in meiner Heimatstadt aufgrund von Unfallstatistiken, Verkehrsplanung und Unfallschwerpunkten diskutiert und entschieden.

    Das Ziel von Blitzern ist primär Verkehrserziehung. Wenn Du weißt, da steht ein Blitzer, gehst Du automatisch vom Gas, fährst die ausgeschilderte Geschwindigkeit und reduziert damit die Gefahr für Anwohner und andere Verkehrsteilnehmer, die Unfallzahlen sinken - und das denke ich mir nicht aus, dazu gibt es eine große Cochrane Übersichtsstudie (englisch), die den Zusammenhang von Blitzern und dem Sinken der Unfallzahlen bzw. -opfer untersucht hat.

    Und auch wenn ich mich wiederhole: die Kommunen zocken weder Verkehrsteilnehmer ab und noch verdienen sie sich eine goldene Nase an Blitzern. Man stelle sich einfach mal vor, alle würden sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit halten, dann hätten die Kommunen schlicht keine Einnahmen durch Geschwindigkeitsverstöße. Und meine Freundin wäre arbeitslos, weil ihre Firma Jenoptik pleite wäre :P

    Die moderne, digitale Informationswelt verbreitet nicht nur Wahrheit und Klarheit, sondern auch Fake, Hetze, simple Lösungen ohne deren Folgen zu erwähnen an jeden Dorftrottel auf diesem Planeten. Ein Trump hätte vor 100 Jahren lange nicht solche Reichweite erzielt, abgesehen davon, dass man damals den Vollhonk als solchen erkannt und niemals zum Präsidenten gewählt hätte.

    Nun ja … Fake, Hetze, simple Lösungen sind seit über siebzig Jahren ein verdammt erfolgreiches Geschäftsmodell – für die BLÖD Zeitung ;) ... Der Unterschied heute ist nur die Geschwindigkeit: Ein Tastendruck reicht, um Blödsinn in Sekundenschnelle zu verbreiten, wofür man vor 100 Jahren noch eine Druckerpresse brauchte.

    Populismus gab es auch damals schon – gerade in den USA. In den 1920ern dominierten Zeitungen als Massenmedium, das Radio kam gerade erst auf. William Randolph Hearst oder Joseph Pulitzer konnten mit ihren Publikationen politische Stimmungen stark beeinflussen, Kandidaten fördern oder diskreditieren und so Wahlkämpfe maßgeblich prägen. Die Zeitungslandschaft war offen parteipolitisch ausgerichtet, kein neutraler Informationskanal – Macht über öffentliche Meinung inklusive.

    Der einzige Unterschied zu heute: Damals dauerte es Tage bis Wochen, bis sich die gewünschte Botschaft in der Bevölkerung ausbreitete. Wenn der Typ mit dem orangenen Toupet heute über die Teppichkante im Weißen Haus stolpert, dominiert das eine Minute später unsere Nachrichtenseiten – und jeder kann eine Meinung dazu verbreiten. Ob man das wirklich braucht?

    Verblödung ist schon sehr lange ein erfolgreiches Konzept. Früher brauchte es halt Geld für einen Drucker und ein paar Kuriere – heute genügt Internet und ein Mausklick. ;)

    Jo, das sind die Ergebnisse der Studie "Deutschland Monitor 2025":

    Meldung Deutschlandfunk "Knapp die Hälfte der Ostdeutschen unzufrieden mit der Demokratie"

    (Ja, der Titel ist irreführend, die Westdeutschen sind ähnlich unzufrieden, werden aber mal wieder nicht in der Überschrift genannt)

    Ausführlicher in der Wirtschaftswoche: "Jeder Fünfte liebäugelt mit autoritären Ideen"


    Das ist gruselig. Und beängstigend. Ich frage mich da wirklich: waren die schon immer da und haben das nie zugegeben / hatten keine Reichweite bzw. Partei zum Wählen oder glauben die mittlerweile, daß autoritäre Regierungen bzw. Anführer tatsächlich die bessere Alternative sind?

    Bei allem Respekt: Bei 100 Mio soll nichts übrigbleiben? Die Milchbüechlirechnig würde ich gern einsehen.

    Ich wohne nicht in der Schweiz, ich wohne in Deutschland. Und hab mich die letzten zwei Monate recht intensiv mit dem Thema "Anschaffung zweiter Panzerblitzer in Gladbeck" beschäftigen müssen/dürfen, weil ich im dafür zuständigen Ausschuss der Stadt sitze, der darüber berät. Die Zahlen dazu finden sich in der Haushaltsplanung jeder Kommune/Stadt - macht bei einer Stadt von um die 80.000 Einwohner dann schon mal an die 600 Seiten. Kann jeder interessierte Bürger einsehen, diese Dokumente sind öffentlich.

    Die Schweiz läßt sich in dem Punkt nicht mit Deutschland vergleichen. Bei uns sind die Strafen für zu schnelles Fahren lächerlich gering im Vergleich zu unseren Nachbarländern. Geringere Strafen gleich geringere Einnahmen. Bei uns fließen die aufgrund der vergangenen Jahre erzielten Einnahmen als Prognose (!) natürlich mit in den Haushalt ein, das ist alleine schon gesetzlich vorgeschrieben. Aber keine Kommune in Deutschland saniert damit ihren Haushalt - das, was da eingenommen wird, macht in den kommunalen Haushalten 0,3 bis 1,5 (je nachdem, wo man da in Deutschland so schaut) der Gesamt-Einnahmen aus. Damit kannste dann vielleicht paar Meter Radweg bauen oder eine kleine Straße neu asphaltieren, mehr nicht.

    Das Märchen von "Kommunen stellen Blitzer auf um Geld zu scheffeln" ist hübsch, aber am Ende des Tages genau das: ein Märchen.

    300.000 Euro klingt eher nach dem Vollumfang-Leasingpaket. Das hängt allerdings auch vom Anbieter ab - ich kenne nur die Preise unseres Herstellers bzw. der Hersteller, die für unsere Stadt Angebote für einen mobilen Panzerblitzer abgegeben haben. Und keine Personalkosten halte ich für unwahrscheinlich, irgendwer muß die Bilder auswerten und die Fälle schließlich bearbeiten. Es sei denn, das wird von einem externen Dienstleister erledigt. Was ich mir nicht vorstellen kann - das Ordnungswidrigkeits- bzw. Bußgeldverfahren ist gesetzlich klar geregelt. Das mag sich ggf. in Einzelheiten unterscheiden je nach Bundesland, prinzipiell ist eine komplette Auslagerung an einen externen Dienstleister rechtlich angreifbar.

    Die Auswertung der Aufnahmen muss in NRW durch eine öffentliche Behörde erfolgen - also Polizei oder aber kommunales Ordnungsamt (oder eine andere staatlich zuständige Stelle). Und Arbeitszeit kostet Geld. Keiner in der Stadt arbeitet da aus reiner Freude, die müssen auch alle ihre Miete und ihr täglich Brot bezahlen ;)

    Die Idee, die Einnahmen zweckgebunden zu verwenden, ist eine schöne Idee. Scheitert in der Realität aber an den Vorschriften für die Haushaltsaufstellung. Kommunale Einnahmen können nicht einfach zweckgebunden verwendet werden - es sei denn, man gründet einen städtischen Betrieb. Sieht man häufig bei der Abfallwirtschaft. Die dürfen die Einnahmen/Ausgaben dann anders budgetieren als die Kommune.

    Was die Kämmerei bzw. die Verwaltung allerdings machen könnte: aufgrund der Einnahmen des Vorjahres eine Prognose für das kommende Jahr aufstellen und das Budget für soziale Arbeit und Jugendhilfe erhöhen. Das muss dann allerdings wieder vom Rat endgültig beschlossen werden - bei uns in der Stadt hat das nicht geklappt, wir wollen lieber Geld ausgeben für Parkplätze, merkwürdige Prestigeprojekte und Gutachten für Poller in der Innenstadt. Derweil krümeln mindestens eine Turnhalle und zwei Schulen weiter munter vor sich hin. Weil, Kinder! Wer braucht schon funktionierende Schulen wenn man nicht direkt in der Stadt umsonst parken kann - da muß man halt Prioritäten setzen. /ironie aus.

    Einkommen der Kommune durch Blitzanlagen? Welches Einkommen? Ihr seid ja putzig. Wißt Ihr eigentlich, was der Unterhalt, das Betreiben, die Auswertungen von Blitzeranlagen, mobil wie stationär, so kosten? Da bleibt nicht mehr viel an "Einnahmen durch Blitzen" übrig.

    Ein mobiler Panzerblitzer kostet alleine schon ab einer halben Million Euro aufwärts. Von der Wartung und der Reparatur sowie "Einnahme-Ausfälle", wenn das Dingen in der Reparatur ist weil irgendwelche Idioten meinen, sie könnten die paar Euro Strafe für zu schnelles Fahren umgehen in dem sie die Dinger Vandalismus unterziehen, nicht zu reden.

    Rekord des mobilen Blitzers auf unserer Straße (also vor meiner Haustüre): 108 km/h nach Abzug der Toleranz. Bei erlaubten 50. Im Schnitt wurde im Auswertungszeitraum auf meiner Straße 14 km/h zu schnell gefahren. Was für einen Fußgänger zu über 90% tödlich endet, wenn er übersehen wird. Die Überlebenschance eines Fußgängers oder Radfahrers bei einer Kollision mit einem Auto liegt bei gefahrenen 50 km/h bei 20 Prozent. Einfach an die Zahl halten, die auf dem Schild steht, dann "zockt" einen auch keine Kommune ab. Und wenn ein Schild übersehen wurde, dann ist das halt persönliches Pech.

    Was abgeschafft gehört, sind diese uneinheitlichen Regelungen. Einfach 30 km/h in der Innenstadt und Siedlungsstraßen, 50 km/h auf mehrspurigen Hauptstraßen. Und das Bewußtsein aller Verkehrsteilnehmer, daß die StVO kein Vorschlag für Verhalten ist, das man nach Gutdünken ignorieren kann. Sondern dafür da, daß jeder sicher von A nach B kommt. Wer meint, er könne ja paar km/h zu schnell unterwegs sein, weil wird ja dann nicht so teuer, der hat eine bewußte Entscheidung getroffen und da geht mir jegliches Mitleid ab.

    Schon vor ein paar Tagen gekauft, heute erhalten: Seweryna Szmaglewska "Die Frauen von Birkenau".

    Seweryna Szmaglewska war eine der Zeuginnen bei den Nürnberger Prozessen und ist in Polen so etwas wie eine Nationalheldin, deren Romane in der Schule Pflichtlektüre sind. Habe ich vorher nie gehört den Namen, erst in einer Dokumentation über die Nürnberger Prozesse.

    Penny Dreadful - The Complete Series [DVD] die komplette Box aus England für 15 Euro. Die echt gute Horror-Serie hatte ich vor Jahren mit Begeisterung auf Netflix geschaut und möchte ich mir jetzt wieder anschauen, läuft aber nirgendwo mehr...

    Genau aus diesem Grunde habe ich mir diese Serie vor etlicher Zeit auch als Komplett-Box gekauft. Bin ohnehin dazu übergegangen, mir tatsächlich bestimmte Serien wieder als Hardcopy anzuschaffen. Oft genug passiert, daß ich etwas noch mal schauen wollte und dann war es nicht mehr verfügbar.

    Ist doch immer wieder schön, wie sich Volker Pispers "Wenn man weiß, wer der Feind ist, hat der Tag Struktur." bewahrheitet ... Und wieder sind die bösen "Anderen" schuld an den strukturellen Problemen, die wir in Deutschland haben. Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist real und seit Jahren gut dokumentiert. Egal, ob Kleinstadt oder Metropole. Und er ist mit Sicherheit das Ergebnis politischer Entscheidungen: Vernachlässigung des sozialen Wohnungsbaus, auslaufende Sozialbindungen, steigende Bau- und Bodenpreise, sowie ein Markt, der Wohnen konsequent als Renditeobjekt behandelt. Man sehe sich einfach mal Immobilienkonzerne wie Vonovia an.

    Und Wohnungen werden von Ämtern nicht nach äußerlichen Merkmalen wie Hautfarbe vergeben. Städtische Bauämter und Jobcenter arbeiten nach Kriterien wie Einkommen, Bedarf, Haushaltsgröße und rechtlichem Anspruch. Das ist ein ziemlich bürokratisches Verfahren, oft sehr restriktiv und von klaren Mietobergrenzen geprägt. Die Vorstellung, Kosten spielten da keine Rolle, hält einer sachlichen und nüchternen Betrachtung nicht stand. Einfach mal in den Haushaltsplan der eigenen Kommune gucken, was da unter dem Posten veranschlagt wird und wie viel tatsächlich für sozialen Wohnungsbau vorgesehen ist ... Wer keine Ahnung hat von dem Prozedere, das man als Bürgergeld-Empfänger durchlaufen muß, der möge bitte einfach schweigen statt das falsche Narrativ "Aber die bekommen ja alles bezahlt!" weiter zu verbreiten. Oder einfach mal drei Monate versuchen, mit dem Durchschnittssatz eines Bürgergeld-Empfängers klar zu kommen.

    Der entscheidende Punkt liegt woanders. Über Jahre bzw. Jahrzehnte hinweg hat man kommunale Wohnungsbestände verscherbelt, die Neubauprogramme zurückgefahren und die Förderinstrumente abgebaut. Gleichzeitig sind zahllose Wohnungen aus der Sozialbindung gefallen und darauf hat der Markt vollkommen erwartbar reagiert: weniger Angebot, höhere Preise, härtere Konkurrenz um jede bezahlbare Wohnung. Wer den Wohnraummangel in Deutschland verstehen will, muß nach Baupolitik, Bodenrecht, Förderpraxis fragen - und danach, wer eigentlich daran verdient (Vonovia, anyone?).

    Man kann natürlich auch die sozial Benachteiligten für strukturelle Probleme verantwortlich machen. Ist halt der einfache Weg - jeder braucht wohl seine Sündenböcke.